Blogbeitrag von Andrea

Warum ein Ausflug von München nach Burghausen mein Top Tipp ist

Wenn man in München wohnt und einen freien Tag vor sich hat, fällt die Entscheidung für einen Ausflug meistens Richtung Süden: Starnberger See, Tegernsee oder in die Berge. Dabei liegt rund 100 Kilometer im Osten Burghausen, eine Stadt mit überraschend viel „Extra": die weltlängste Burg, ein vielfältiges Kulturprogramm, ausgezeichnete Museen und ein extra schönes Naturerlebnis zwischen Wöhrsee und Salzach. Über die A 94 ist man in nur etwa einer Stunde da ‒ und genau deshalb schlage ich meinen Münchner Freunden Simon und Jutta mit ihren Kindern Heiko und Marlies einen Ausflug in meine Heimatstadt vor.

Herzöge, alte Erker und ein eingemauerter Koch

Fröhlich hüpfend gelangen die Geschwister vom Eingang der Burg langsam ins Mittelalter: Rechts und links säumen dicke Mauern die Häuser, die mit Erkern und Türmen ausgestattet sind. Vorbei an der ehemaligen Pferdeschwemme und der Hedwigskapelle weiß man gar nicht, wohin man den Blick zuerst wenden soll. 1051 Meter lang reihen sich die sechs Burghöfe aneinander. Zwischen Wehrtürmen und gut erhaltenem Gemäuer öffnet sich immer wieder der Blick auf die Altstadt mit ihren farbigen Fassaden, auf den Wöhrsee, ins Salzachtal hinein. Kurz vor der Hauptburg, angelehnt an die Holzbrücke über dem tiefen Burggraben, stellen wir uns vor, wie hier vor Jahrhunderten das Hufgeklapper weithin zu hören war, wenn ein Bote seine Nachricht aus Landshut zu Herzogin Hedwig brachte.

Wer mehr über das höfische Leben und die Architektur der Burg erfahren und dabei ganz ins Mittelalter eintauchen will, bekommt bei einer Burgführung authentische Einblicke in das Leben anno dazumal: Öffentliche Burgführungen finden jeden Samstag, Sonn- und Feiertag statt, dazu sind zahlreiche spezielle Themenführungen für Gruppen buchbar. Erfahrene Burgführer schlüpfen dabei in Rollen etwa einer geschwätzigen Magd oder einer Marketenderin und erzählen in historischen Gewändern augenzwinkernd und in humorvollen Anekdoten, wie auf der Wehranlage gelebt und regiert wurde und ob in dem alten Gemäuer tatsächlich ein Koch eingemauert wurde …

Der Waldrapp auf der Blumenwiese in Burghausen
Burghauser Touristik

Ausflug von München mit Kindern: Rätselraten und Schnitzeljagd

An einer Burgführung laufen Heiko und Marlies lachend vorbei, zurück zu ihren Eltern: Das Burgrätsel ist ihnen heute lieber. Damit verwandelt sich der über einen Kilometer lange Weg über die Burg in eine extra spannende Schnitzeljagd. Die Kinder haben Spaß, erforschen an 13 Stationen spielerisch die alte Festungsanlage und lernen nebenbei etwas über das Leben im Mittelalter. Ältere Kinder schlüpfen bei der GPS-Krimitour „Die verschwundenen Waldrappe" in die Rolle von Detektiven und knacken Geheimcodes. Was ein Waldrapp ist? Er gehört mit seinen schwarzen blau-violett schimmernden Federn zu den Ibisvögeln und ist vom Aussterben bedroht. Mit seinen langen Nackenfedern ist er der Rockstar unter den Vögeln. Von April bis Anfang August kann man mit etwas Glück die Waldrappe auf den Wiesen rund um den Pulverturm beobachten – das wissen jetzt auch die Geschwister.

Ein Jubelschrei tönt später durch die Räume des Stadtmuseums, das 2025 mit dem Bayerischen Museumspreis ausgezeichnet wurde: Heiko hat gute Punkte beim Lanzenstechen in einem virtuellen Ritterturnier gemacht, während Marlies herzogliche Gewänder anprobiert und sich dabei wie Herzogin Hedwig selbst fühlt. Multimediale Ausstellungen zur Geschichte Burghausens und zum Naturraum Salzach-Wöhrsee ziehen auch meine Freunde in ihren Bann. Ich erzähle der Familie außerdem vom Haus der Fotografie, vom Foltermuseum und vom Burgmuseum der Bayerischen Schlösserverwaltung in der Hauptburg mit den früheren Wohnräumen der Herzöge, Wandteppichen, Gemälden und einer Aussichtsplattform. Heute schaffen wir das nicht mehr ‒ aber zusammen bieten die Museen ein abwechslungsreiches Programm für einen erneuten Ausflug von München aus, eventuell sogar an einem Regentag.

Stadtsaal in der Burghauser Altstadt.
Burghauser Touristik

Über den Burgsteig hinunter: Stadtplatz und Grüben

Sehr beschaulich und mit bestem Blick auf die Dächer der Altstadt führt uns der alte Burgsteig in wenigen Minuten zu Fuß von der Burg hinunter in die Altstadt. Die Fassaden im Inn-Salzach-Stil säumen den breiten Stadtplatz, den wir bei einer Pause von einem der vielen Biergärten und Cafés aus betrachten: Erst jetzt, in Ruhe, können die verzierten Giebel in ihren verschiedenen Pastelltönen richtig auf uns wirken. Besonders schön ist das Ambiente, wenn man über die alte Brücke auf die österreichische Salzachseite geht, denn von dort hat man die ganze Länge der Burg über den Fassaden der alten Bürgerhäuser im Blick.

Nach dem kurzen Abstecher führe ich meine Münchner Gäste in die Grüben, die alte Handwerkermeile mit ihren schmalen Gassen. Spätestens jetzt ist absolutes Urlaubsfeeling in der Fußgängerzone angesagt: In den Auslagen finden sich Einzelstücke von Glasbläsern, Antiquitätenhändlern und Kunsthandwerkern. Die Street of Fame erinnert an die Jazzgrößen, die bei der Internationalen Jazzwoche Burghausen aufgetreten sind. Knapp 50 Bronzeplatten, im Boden verlegt, ehren Musiker wie B. B. King, Ella Fitzgerald oder Chet Baker. Im Sommer klingt und swingt es zudem jeden Donnerstagabend bei „Jazz am Bichl".

Blick auf den malerischen Wöhrsee in Burghausen.
Burghauser Touristik

Durch das Tor der Burgmauer zum Wöhrsee

Nach so viel Sightseeing folgt die Erfrischung im Wöhrsee, der Naturoase mitten in der Stadt. Schon der Zugang ist besonders: Er führt durch ein großes Tor der alten Burgmauer, die die Festungsanlage mit dem Pulverturm verbindet. Kein anderer bayerischer See bietet eine solche Kulisse ‒ das bestätigt auch mein Münchner Besuch: Egal ob beim Schwimmen, Tretbootfahren oder Stand-up-Paddeln, die weltlängste Burg bleibt immer im Blick.

Für den nächsten Ausflug empfehle ich eine Plättenfahrt auf der Salzach: Auf den ehemaligen Salzkähnen gleitet man von Tittmoning durchs Salzachtal nach Burghausen, auf Wunsch begleitet von Jazz, Harfe oder bayerischer Tanzlmusi. Bei der Einfahrt nach Burghausen ergeben sich wunderbare Blicke auf Burg und Altstadt. Und wenn meine Gäste beim nächsten Besuch Lust auf eine Radtour haben: Auf beiden Seiten der Salzach führen grenzüberschreitende Radwege durch wunderschöne bayerische und österreichische Hügellandschaften, oft sogar mit traumhaftem Alpenblick. Wer den Radius erweitern und weitere kulturelle Highlights entdecken will: Das Barockjuwel vor den Toren der Stadt, das Kloster Raitenhaslach mit seinen liebevoll gepflegten Außenanlagen, die Wallfahrtskirche Marienberg oder der Wallfahrtsort Altötting liegen ganz in der Nähe. 

Überhaupt empfehle ich Burghausen als Ziel für alle Jahreszeiten: Der Herbst taucht die Burg in goldene Farben, in der Vorweihnachtszeit verwandeln der Christkindlmarkt auf der Burg und der Advent in den Grüben ganz Burghausen in eine stimmungsvolle Weihnachtszeit ‒ Museen und Altstadt laden sowieso ganzjährig zum Entdecken ein. Im Sommer kommen als kostenlose kulturelle Angebote der Stadt unter anderem der Sommernachtsbiergarten am Bergerhofgelände, das Pop Up-Kino Open Air und die Sommermusik am Wasserplatz dazu.

Anreise: mit der Bahn oder dem Auto von München nach Burghausen

Und die Anreise? Fanden meine Gäste toll. Burghausen ist bequem zu erreichen: Rund 18 Zugverbindungen pro Tag bringen Bahnreisende vom Münchner Hauptbahnhof in durchschnittlich einer Stunde und 45 Minuten in die Salzachstadt. Am Bahnhof fährt der Citybus alle relevanten Ziele der Stadt an. Wer mit dem Auto anreist, ist über die Autobahn A 94 in rund einer Stunde da, so dass sich Burghausen auch für einen spontanen Ausflug ab München eignet: Die Entscheidung kann beim Frühstück fallen, mittags steht man schon auf der Burg.

Nixdorf
Andrea Obele Burghauserin & Content-Redakteurin

Meine Münchner Freunde Simon und Jutta genießen mit ihren Kindern die Auszeit in Burghausen. Beim Willkommensritual fällt jedes Mal der Satz: “Burghausen muss man in Bayern gesehen haben!”